Auf den Spuren der Bergleute – Die Klassen 3a und 3b entdecken den Bergbau in Hervest
Im Sachunterricht beschäftigen sich die Klassen 3a und 3b derzeit intensiv mit dem Thema „Dorsten“. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Bergbau in Hervest. Dank vieler spannender Erlebnisse konnten die Kinder in den vergangenen Wochen tief in die Geschichte ihrer Heimat eintauchen.
Den Anfang machte der Besuch des ehemaligen Bergmanns Heinz Hauptvogel. Für jeweils zwei Unterrichtsstunden erzählte er den Klassen von seiner Arbeit auf der Zeche Fürst Leopold. Mitgebracht hatte er eine echte Grubenleuchte und ein Stück Kohle – das sogenannte „schwarze Gold“. Die Kinder erfuhren viel über die harte Arbeit unter Tage, staunten über die Arbeitsbedingungen und hörten auch die eine oder andere kuriose Geschichte aus dem Bergmannsalltag. Besonders schmunzeln mussten alle, als der ehemalige Kumpel sich noch ganz genau daran erinnern konnte, wie oft er während seiner aktiven Zeit „auf den Kübel“ musste – allerdings nicht, weil es dort besonders angenehm war!
Dank ihres Vorwissens aus dem Unterricht und dem Theaterstück zum Thema Bergbau, das die Klassen wenige Wochen zuvor in der Schule gesehen hatten, waren die Kinder bestens auf die anschließende Zechenführung vorbereitet.
An den beiden vergangenen Montagen ging es schließlich nach Hervest. Startpunkt war der Brunnenplatz in der Zechensiedlung. Dort nahm Bergmann und Gästeführer Volker Jenau die Kinder mit auf eine Reise in das Leben der Bergmannsfamilien um das Jahr 1910. Für einige Verwirrung sorgten zunächst die bergmännischen Begriffe: So wurde die Ziege kurzerhand zur „Bergmannskuh“ und die Tauben galten als „Rennpferde“.
Im historischen Haus des Heimatvereins konnten die Kinder einen alten Kohleherd, ein antikes Bügeleisen und viele weitere Alltagsgegenstände bestaunen. Lange wurde gerätselt, wofür wohl eine Wärmflasche gedacht war. Besonders erstaunt – und teilweise auch etwas angeekelt – waren die Kinder darüber, dass früher die ganze Familie nacheinander im selben Badewasser baden musste. Gleichzeitig äußerten viele großen Respekt vor der schweren Arbeit der Hausfrauen, die die Wäsche mühsam auf einem Waschbrett reinigen mussten.
Anschließend führte der Weg in den liebevoll angelegten Siedlungsgarten des Bergbauvereins, der den Gärten der Bergmannsfamilien um 1910 nachempfunden ist. Dort entdeckten die Kinder zahlreiche Gemüse- und Obstsorten. Frische Erbsen, rote, schwarze und weiße Johannisbeeren, rote und weiße Himbeeren, Stachelbeeren sowie Petersilie wurden direkt gepflückt und natürlich auch probiert. Das gemeinsame Frühstück im Garten rundete diesen Teil der Führung ab.
Frisch gestärkt ging es weiter auf das Gelände der ehemaligen Zeche Fürst Leopold. Nach einem Besuch der Lohnhalle stand die Kaue auf dem Programm. Dort zeigte Volker Jenau den Kindern die vollständige Bergmannskluft, die er – ganz wie früher – zunächst von der Decke herabließ. Für besonders großes Interesse sorgte dabei das sogenannte Arschleder, dessen Funktion die Kinder schnell nachvollziehen konnten.
Zum Abschluss besuchten die Klassen die beeindruckende Maschinenhalle. Dort beantwortete Volker Jenau noch viele Fragen rund um den Bergbau und das Leben vor rund 120 Jahren. Sogar Gartenzwerge, Mopeds und Satellitenschüsseln fanden in seinen spannenden Erzählungen ihren Platz.
Ein absolutes Highlight wartete zum Schluss: Die historische Dampfmaschine wurde in Betrieb genommen. Früher sorgte sie dafür, den Förderkorb mit den Bergleuten bis zu 1.000 Meter tief in die Erde und wieder zurück an die Oberfläche zu bewegen. Die gewaltige Maschine beeindruckte alle Kinder. Besonders aufregend war, dass jedes Kind die Dampfmaschine anschließend selbst einmal in Bewegung setzen und wieder abbremsen durfte.
Zum Abschied erhielt jedes Kind einen Erinnerungsaufkleber und ein Stück „schwarzes Gold“. Bevor sich alle wieder auf den Rückweg zur Schule machten, überraschten die Klassenlehrerinnen ihre Klassen noch mit einem wohlverdienten Eis.
Ein spannender Ausflug, der Geschichte lebendig werden ließ und den Kindern sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird!



